Alpine Ski WM – Rückblick auf die erste Woche

Alpine Ski WM – Rückblick auf die erste Woche

Die erste Woche der Ski-WM in Cortina d’Ampezzo ist vorbei. Zeit für uns ein erstes Fazit zu ziehen.

Nachdem die WM aufgrund des Wetters erst am vergangenen Donnerstag anstatt wie ursprünglich geplant am Montag gestartet ist, gab es ein paar Verschiebungen im Terminkalender. Die Alpinen Kombinationen wurden nach hinten verschoben und die WM begann mit dem Super-G für die Frauen, ehe die Männer direkt folgten. Danach stand mit der Abfahrt für beide Geschlechter die nächste Speeddisziplin auf dem Programm.

Alpine Super G

Den Start machten die Frauen am Donnerstag im Super-G. Hier zeigte die Schweizerin Lara Gut-Behrami ihre aktuelle Topform und gewann vor Corinne Suter (ebenfalls Schweiz) und der US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin.

Direkt im Anschluss machten sich die Männer an den Start des Super-G. Und hier gab es dann auch gleich eine faustdicke und aus deutscher Sicht erfreuliche Überraschung. Romed Baumann fuhr auf einen sensationellen zweiten Platz und holte sich somit die Silbermedaille bei der WM. Ihm fehlten am Ende nur 0,07 Sekunden auf den Sieger Vincent Kriechmayr aus Österreich. Bronze ging an den Franzosen Alexis Pinturault. Der zweite Platz von Romed Baumann war zugleich die beste deutsche Platzierung in einer Speeddisziplin (Super-G und Abfahrt) bei den Männern.

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© Salomon

Alpine Abfahrt

Für das Wochenende waren nun die Abfahrtsrennen geplant. Am Samstag die Frauen und am Sonntag die Männer. Und beide Rennen sollten es insbesondere aus deutscher Sicht in sich haben.
Beginnen wir mit der Damenabfahrt am Samstag. Mit Sofia Goggia musste leider die erfolgreichste Abfahrerin in diesem Winter verletzungsbedingt passen. Die Italienerin konnte diesen Winter bereits fünf Abfahrten gewinnen und war sicherlich die absolute Favoritin auf die Goldmedaille. Stattdessen krönte Corinne Suter ihre starke Leistung aus dem Super-G (Silbermedaille) mit dem Sieg in der Abfahrt. Lara Gut-Behrami, die Siegerin des Super-G erreichte den dritten Platz und somit die Bronzemedaille. Und zwischen die beiden Schweizerinnen schob sich ausgerechnet eine Deutsche. Kira Weidle schaffte sensationell den Sprung auf den zweiten Platz und sicherte sich somit die Silbermedaille. Es war die erste Medaille in der Abfahrt für das deutsche Frauenteam seit der Bronzemedaille von Maria Höfl-Riesch im Jahr 2013.

Am Sonntag stand nun die Abfahrt der Männer an, im Vorbericht sagte bereits unser ehemaliges Skiass Felix Neureuther sinngemäß “ich glaube heute zeigt der Andi Sander was”. Und er sollte recht behalten, mit Startnummer 2 ging er an den Start und zeigte eine starke Fahrt. Im Ziel leuchtete dann auf der Anzeigetafel ein Rückstand von 0,01 Sekunde auf Super-G Sieger Vincent Kriechmayr auf. Umgerechnet bedeutete dies ein Abstand von 27cm, es war also eine hauchdünne Entscheidung. Dennoch blieben die beiden bis zum Ende des Rennens in Führung, das Podest komplettierte Beat Feuz aus der Schweiz auf Rang 3. Kriechmayr ist damit erst der dritte Skifahrer, dem es bei einer WM gelang die Abfahrt und den Super-G zu gewinnen. Zuvor war das nur dem legendären “Herminator” Hermann Maier sowie Bode Miller gelungen. Für den deutschen Andi Sander hingegen war es der erste Podestplatz seiner Karriere.
Thomas Dreßen, der bei der WM nach nur 11 Skitagen sein Comeback im Weltcup-Zirkus feierte, blieb zwar der ersehnte Erfolg aus, er landete auf Platz 18, war dennoch mit seinem Abschneiden zufrieden und ist froh, dass er es überhaupt geschafft hat, an den Start zu gehen. Romed Baumann, im Super-G noch mit dem zweiten Platz, konnte seinen Erfolg nicht wiederholen und fuhr auf den 14. Platz, zu allem Überfluss stürzte er im Zielbereich und rutschte unter die Absperrung, dabei zog er sich Schnittwunden an Nase und Mund zu. Dennoch freute sich das ganze Team des DSV über die Silbermedaille von Andi Sander und den beiden zuvor bereits errungenen Silbermedaillen von Kira Weidle und Romed Baumann.

Das Highlight des Wochenendes

Für das Highlight bei der Abfahrt der Männer und sicherlich auch für das Highlight der Ski WM bzw. des gesamten Wintersportjahres sorgte allerdings unfreiwillig der Franzose Maxence Muzaton. Bei Tempo 120 verschlägt es ihm beim Schwungansatz vor einer Kuppe den Ski und er verliert die Kontrolle, jedem Zuschauer stockte zunächst der Atem, doch was der Franzose dann zeigte, war unglaublich. Er machte in der Luft einen sogenannten One-Eighty (also eine 180 Grad Drehung) und landet rückwärtsfahrend wieder auf seinen Skiern eher er sich wieder in die normale Fahrtrichtung begibt. Jeder Freeride- und Freestyle-Skifahrer war in diesem Moment wohl neidisch auf die Leistung von Muzaton.

Alpine Kombination

Bereits am Montag standen die nächsten Rennen auf dem Programm, die Kombination der Frauen und Männer. Hierbei besteht der erste Durchgang aus einem Super-G und der zweite Durchgang aus einem Slalom. Für viele Athleten ist dies eine große Herausforderung, da es oft nur noch Fahrer und Fahrerinnen gibt, die entweder in den Speeddisziplinen oder in den Technikdisziplinen zu Hause sind. 

Daher war es bei den Frauen wohl kaum eine große Überraschung, dass die aktuell wohl kompletteste Skifahrerin sich die Goldmedaille schnappen konnte. Mikaela Shiffrin gewann mit einem Vorsprung von 0,86 Sekunden von Petra Vlhova. Auf Platz drei landete Michelle Gisin. Es war bereits der sechste Weltmeistertitel für die erst 25-jährige US-Amerikanerin.

Bei den Männern hingegen gab es eine kleine Überraschung, denn hier siegte ein absoluter Technikspezialist vor einem der wenigen Allrounder und Titelverteidiger. Der Österreicher Marco Schwarz, Führender der Slalomwertung im Weltcup konnte sich mit einem hauchdünnen Vorsprung von gerade einmal 0,03 Sekunden gegenüber Alexis Pinturault durchsetzen. Auf Platz drei landete wie bei den Frauen ein Schweizer, Loic Meillard gewann mit einem Rückstand von über einer Sekunde noch die Bronze-Medaille. Aus deutscher Sicht ließ Simon Jocher aufhorchen, er erreichte als Speedspezialist nach dem neunten Rang im ersten Durchgang im Super-G noch den fünften Platz.

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Alpine Parallelslalom

Direkt am Dienstag ging es weiter mit den wohl für die Zuschauer spektakulärsten Veranstaltungen, der Parallelslalom stand an. Bei der WM-Premiere dieses Rennformats heißt es Frau gegen Frau bzw. Mann gegen Mann im KO-Verfahren. Es starten zunächst zwei Fahrer gleichzeitig, einer im Roten und einer im Blauen Kurs. Der Abstand der im Ziel erreicht wird, ist der Zeitbonus für den zweiten Lauf. Dieser Bonus beträgt jedoch maximal eine halbe Sekunde. Im zweiten Lauf starten die Fahrer nun im jeweils anderen Kurs. Die Startklappe vom Sieger des ersten Laufes öffnet sich entsprechend seines Vorsprungs früher als die des zweiten Läufers. Wer von den beiden als erstes ins Ziel kommt, entscheidet das Duell für sich und kommt eine Runde weiter.
Bei den Frauen kam es dann gleich zu einem Novum, erst zum zweiten Mal in der WM-Geschichte überhaupt, gab es zwei erste Plätze. Die Italienerin Marta Bassino sowie die Österreicherin Katharina Liensberger kamen auch nach ihrem zweiten Lauf gleichzeitig ins Ziel. Zunächst wurde nur Bassino zur Siegerin erklärt, da sie im zweiten Lauf die schnellere Zeit fuhr und so laut Reglement wohl die Gewinnerin ist. Jedoch entschied sich die Jury kurze Zeit später dazu, auch Liensberger als Siegerin zu führen. Bronze ging an die Französin Tessa Worley.
Bei den Männern schaffte es ein Deutscher bis ins Halbfinale und hatte so die Chance im “kleinen Finale” um die Bronzemedaille zu kämpfen. In Führung liegend rutschte Alexander Schmid jedoch im zweiten Durchgang weg und musste sich im Kampf um Bronze dem Schweizer Loic Meillard geschlagen geben. Schmid blieb somit leider nur der undankbare vierte Platz. Im Finale duellierten sich der Kroate Filip Zubcic und der Franzosen Mathieu Faivre um die Goldmedaille. Das bessere Ende hatte Faivre, der sich gegen Zubcic durchsetzen konnte und sich somit die Goldmedaille sichern konnte.
Im Mittelpunkt bei diesen Wettkämpfen stand aber ausgerechnet ein ehemaliger Skistar. Unser ehemaliges Ski-Ass Felix Neureuther ärgert sich sehr über die Kurssetzung, da ein Kurs sichtbar schneller war als der andere und so einen Vorteil für den/die Fahrer/in gab, die im zweiten Durchgang auf dem schnelleren Kurs starten durfte. Daher griff Neureuther noch während der Live-Sendung im ARD zu seinem Handy und rief den Rennchef Markus Waldner an um sich zu beschweren und ihn zu einer Korrektur des langsameren Kurses zu animieren. Telefonisch erreichte er ihn aber nicht, sodass er ihm im Anschluss eine Nachricht sendete. Waldner antworte wohl auch darauf und sagte, dass eine Kursänderung nicht mehr möglich sei und sprach von einem fairen Wettkampf. Mit seiner Meinung stand Neureuther allerdings nicht alleine da, auch einige Rennläufer/innen beschwerten sich.

Team-Wettbewerb

Bei dem heutigen Team-Event waren die unterschiede in den Kursen nicht mehr ganz so groß wie noch am Tag zuvor, auch wenn hier ein Kurs etwas schneller schien als der andere. Das Team-Event ist bereits seit einigen Jahren fester Bestandteil im Programm der alpinen Ski-WM. Dabei treten die Nationen mit jeweils vier Fahrern (zwei Frauen und zwei Männer) gegeneinander an. Pro Duell fährt jeder Athlet nur einmal.  Wer dabei die meisten Duelle für sich entscheidet zieht in die nächste Runde ein. Sollten beide Teams zwei Rennen für sich entscheiden, zählt die schnellere Einzelzeit bzw. die addierten Zeiten.

Einen spannenden und packenden Wettbewerb konnten letztendlich die Norweger für sich entscheiden und Gold für ihr Team holen. In einem skandinavischen Finale siegten sie gegen Schweden mit 3:1. Im kleinen Finale im Kampf um die Bronzemedaille standen sich das deutsche und das sicherlich als Favorit an den Start gegangene schweizer Team gegenüber.

Besonders bei Alex Schmid dürften Erinnerungen an den gestrigen Tag aufgekommen sein, an dem er als Vierter knapp an den Medaillenrängen gescheitert ist. Doch heute sollte es besser laufen, das Team bestehend aus Andrea Filser, Emma Aicher, Stefan Luitz und eben Alexander Schmid zeigte eine starke Leistung gegen die Schweizer und konnte zwei von vier Rennen für sich entscheiden. Am Ende hatte das deutsche Team die Nase aufgrund der kürzeren Gesamtzeit vorne und konnte so den Gewinn der Bronzemedaille feiern. Insbesondere muss hierbei die Leistung der erst 17-jährigen Emma Aichner erwähnt werden.

Weiterer WM Verlauf

Der Zeitplan der WM sieht für die nächsten Tage noch die weiteren Technikdisziplinen vor, den Riesenslalom der Frauen am Donnerstag und den der Herren am Freitag. Den Abschluss macht dann der Slalom, auch hier dürfen die Frauen beginnen und sind bereits am Samstag dran, ehe die Männer am Sonntag ein letztes Mal bei dieser Ski-WM um Medaillen kämpfen. Hoffen wir, dass noch weitere Medaillen für das deutsche Team folgen.

Aktueller Medaillenspiegel nach 9 von 13 Wettkämpfen

Nation

Gold

Silber

Bronze

Total

1.

Österreich

4

0

0

4

2.

Schweiz

2

1

5

8

3.

Frankreich

1

1

2

4

4.

USA

1

0

1

2

5.

Italien

1

0

0

1

5.

Norwegen

1

0

0

1

6.

Deutschland

0

3

1

4

8.

Slowakai

0

1

0

1

8.

Kroatien

0

1

0

1

8.

Schweden

0

1

0

1